Auf Besuch bei den Orang Utans im Tanjung Puting Nationalpark

12. Februar 2016

Menschen 100
Essen 100
Urlaubsfeeling 80

0 – Geht gar nicht
20 – Ohje, ohne Worte
40 – Ist bzw. sind Ok, könnte aber besser sein

Sehenswürdigkeiten 100
Sicherheit 100
Gesamteindruck 100

60 – Passt
80 – Prima, wir bleiben gerne länger
100 – Perfekt, wir wollen nicht mehr weg

Wow, krass, unglaublich, das ist gerade nicht wahr. Oder doch? Groß, majestätisch und voller Kraft strotzend steht er vor uns, Gondol das Alpha Männchen in diesem Abschnitt des Tanjung Puting Nationalparks. Es raschelt im Blätterdach des Dschungels. Wir schauen nach oben und sehen immer mehr von ihnen – ein unglaublicher Anblick. Aber der Reihe nach.

03:00 Uhr morgens, Canggu Bali. Unser Wecker klingelt mal wieder mitten in der Nacht und wir quälen uns aus unserem Bett. Unser Fahrer wartet bereits auf uns. Schnell unsere Rucksäcke in den Kofferraum und schon machen wir uns mit viel Wehmut auf den Weg um neue Abenteuer, Menschen und Länder zu entdecken. Unser Flug bringt uns von Denpasar auf Bali über Jakarta nach Pangkalan Bun in Borneo, direkt in den Dschungel. Wer hier hin kommt hat nur ein Ziel, die letzten vom aussterben bedrohten Orang Utans in freier Wildbahn zu beobachten. Nur in Sumatra kann man ihnen auf der Welt noch so nah kommen wie hier. Was wir in den nächsten Tagen erleben, ist wirklich unglaublich schön, atemberaubend aber auch traurig.

Um in den Tanjung Puting Nationalpark zu gelangen, braucht man einen Guide, ein Boot und eine Crew. Einige Anbieter vor Ort organisieren dies alles. Da wir noch nichts gebucht haben, uns aber vorab schon einige Angebote eingeholt haben, treffen wir uns mit Harry und Waati von Borneo Holidays im Hotel. Wir entscheiden uns für eine Vier-Tages-Tour und machen alles für den nächsten Tag klar.

Auf in den Dschungel!

Am Morgen werden wir direkt von Gian Darmin, unserem Guide für die nächsten Tage, am Hotel abgeholt. Nach einer kurzen Fahrt zum Hafen von Kumai, welcher das Tor zum Tanjung Puting Nationalpark ist, sind wir auch schon auf unserem Boot angekommen, die „Humming Bird“. Diese Boote heißen hier Klotok, abgeleitet von den Geräuschen die Sie während der Fahrt machen – tok, tok, tok, tok 🙂 Neben Gian sind auch noch Hendrik der Kapitän, Ijul der Matrose und Mariyam die Köchin mit an Board. Gemeinsam werden wir die nächsten Tage auf unserem Klotok verbringen. Wir haben Glück, denn eigentlich wird die „Humming Bird“ für größere Gruppen genutzt. Da aber derzeit Nebensaison ist, haben wir sie für uns ganz allein! Die Crew nutzt das komplette untere Deck des Klotoks und wir das obere. Auf dem Bug befinden sich zwei Sonnenliegen, die im Laufe der Tour nicht nur von uns genutzt werden. Dahinter befindet sich eine große (durchgelegene) Matratze, welche unser Bett für die nächsten Nächte sein wird. Ganz hinten befindet sich noch ein großer Tisch, an dem wir regelmäßig mit Mariyam’s Köstlichkeiten verwöhnt werden.

Hendrik wirft den Motor an und schon geht sie los, unsere Reise ins Reich der Orang Utans. Tok, tok, tok, tok, tok, langsam verlassen wir den Hafen von Kumai. Auf dem Weg in den Regenwald sehen wir überall große Tankschiffe. Gian sagt nur „Palmöl“ und mir wird schnell klar, dass diese Tour uns nicht nur das wunderbare Reich des Dschungels und das Zuhause der Orang Utans näher bringen wird. Wir werden auch viel über die Probleme der Region erfahren.

Einige Kilometer vom Hafen entfernt biegen wir in den Sekonyer Fluss ab. Eine komplett andere Welt erleben wir hier. Grün, grün, grün egal wo wir hinschauen grün. Je weiter wir flußaufwärts fahren, desto tiefer dringen wir in den Regenwald ein. Ein letzter Blick auf mein Mobiltelefon – kein Netz, wir scheinen also nun wirklich im Dschungel angekommen zu sein. Auf unseren Sonnenliegen, lassen wir die Natur an uns vorbei ziehen. Wir sehen Vögel die wir vorher noch nie gesehen haben. Sie sind so bunt und schön das es schwer fällt sie zu beschreiben. Ob Hornbill, Kingfisher oder irgendein anderer der 230 verschiedenen Vogelarten die hier leben, Gian kennt sie alle. Je tiefer wir in den Regenwald fahren, desto mehr Tiere sehen wir. Der Regenwald zeigt seine ganze Artenvielfalt. Gibbons, Makakken, Nasenaffen, Krokodile, Schlangen, Frösche, Schmetterlinge und Mücken. Wahnsinn, wir lassen die Natur an uns vorbei ziehen und sind einfach nur überwältigt und sprachlos.

Nach ca. zwei Stunden Fahrt, halten wir das erste Mal an – Camp Tanjung Harapan. Im Tanjung Puting Nationalpark gibt es insgesamt drei Camps die für Touristen zugänglich sind. Camp Tanjung Harapan, Camp Pondok Tanggui und das berühmte Camp Leaky. Die Camps dienten in der Vergangenheit dazu, Orang Utans wieder in den Dschungel zu entlassen, nachdem sie im Rehabilitationszentrum von Menschenhand wieder aufgepäppelt wurden. Die Orang Utan Population in den entsprechenden Gebieten um die Camps ist nun jedoch zu groß um weitere Orang Utans hier auszusetzen. Daher werden sie nun in anderen Gebieten des Tanjung Nationalparks sowie in einem neuen Nationalpark ausgewildert.

In allen drei Camps befinden sich jedoch noch Fütterungsplattformen, an denen jeweils einmal am Tag Bananen, Süßkartoffeln, Zuckerrohr etc. als zusätzliche Nahrungsquelle für die Orang Utans zur Verfügung gestellt wird. Die Orang Utans, welche frei um die Camps herum leben, sind aufgrund Ihrer Zeit im Rehabilitationszentrum an den Menschen gewöhnt und werden daher als „Semi-Wild“ bezeichnet. Diese semi-wilden Orang Utans kann man dann an den Fütterungsplattformen aus nächster Nähe bestaunen. Speziell in der Zeit in der die Bäume im Regenwald genug Früchte tragen, sieht man jedoch fast nie Orang Utans an den Fütterungsstellen. Doch wir haben Glück, denn es ist gerade keine Früchte Zeit im Regenwald.

Das erste mal freilebende Orang Utans

Nachdem unser Klotok am Anleger fest gemacht wurde, steigen wir vom Boot und machen uns zu Fuß weiter auf in den Dschungel. Auf schmalen unbefestigten Wegen, über kleine klare Flüsse, welche direkt aus dem Dschungel kommen, und über große Wurzeln hinweg bahnen wir uns unseren Weg in den Regenwald. Die Luftfeuchtigkeit beträgt 100%, es heißer als 30° und wir schwitzen. Komplett durchgeschwitzt, erfreuen sich die Mücken ganz besonders an uns. Anfangs versuchen wir noch den Kampf gegen Sie aufzunehmen, doch nach kurzer Zeit merken wir bereits, dass wir diesen, trotz Mückenspray, nur verlieren können.

Auf dem Weg Richtung Fütterungsplattform, hören wir sie bereits. Das Rascheln im Dschungeldach deutet ganz klar auf sie hin. Gian hält die Augen offen und plötzlich steht einer von ihnen vor uns. Gondol, das Alphamännchen in diesem Abschnitt des Tanjung Puting Nationalparks. Wow. Sprachlos und mit einer gehörigen Portion Respekt stehen wir vor ihm. Das wir den Orang Utans so nah kommen werden, haben wir nicht gedacht. Toll, atemberaubend und unbeschreiblich. Langsam schleichen wir uns an Gondol vorbei. Im Blätterdach des Dschungels sehen wir nun immer mehr von ihnen. An der Fütterungsplattform angekommen, hängen viele Orang Utans bereits in den umliegenden Bäumen und warten auf die Ranger. Nachdem diese die Bananen und das Zuckerrohr auf der Plattform verteilt haben, kommen die Orang Utans geschickt die Bäume herunter geklettert und erfreuen sich an ihrem Menü. Doch als Gondol kommt, ändert sich das Geschehen schlagartig. Die Orang Utans stopfen sich so viele Bananen und Zuckerrohr in ihre Münder wie sie nur könnenund verschwinden schnell wieder in den Bäumen. Ja, man merkt schnell wer hier der Chef ist. Es ist toll für uns zu sehen, wie diese schlauen Tieren, welche übrigens zu 97% die gleiche DNA wie wir Menschen besitzen, untereinander agieren.

Um dieses Verhalten zu studieren hat sich die kanadische Forscherin Professor Biruté M. Galdikas bereits 1971 auf den Weg hier in den Dschungel von Borneo gemacht. Sie gründete das Camp Leaky, was nach ihrem Mentor, dem Primatenforscher und Paläoanthropologen Louis Leakey, benannt ist. Camp Leaky dient bis heute als Forschungsstation für Wissenschaftler und Studenten aus aller Welt, um das Verhalten von Orang Utans in freier Wildbahn zu untersuchen.

Auch wir begeben uns in den nächsten Tagen vom Camp Tanjung Harapan über Camp Pondok Tanggui zum Camp Leaky. Auf den Fahrten zwischen den Camps, genießen wir das leckere Essen von Mariyam und die so wunderschöne Natur. Die Nächte verbringen wir auf unserem Klotok direkt im Dschungel. Wir schlafen mit den Geräuschen des Dschungels ein und werden von den Affen am morgen mehr oder weniger sanft geweckt. So passiert es, dass ich am Morgen nach der ersten Nacht aufschrecke, da ich sehr laute Geräusche höre, welche nicht all zu weit von mir weg sein können. Ich drehe mich um und tatsächlich. Auf unserer Sonnenliege hat es sich Atlas gemütlich gemacht. Ein junges Orang Utan Weibchen. Völlig beängstigt rufe ich Gian zu Hilfe. Als er Atlas sieht, freut er sich nur und sagt „Ja, das hatte ich vollkommen vergessen zu erwähnen, manchmal kommen die Orang Utans auch zu uns auf das Boot“. Er bittet Atlas vorsichtig und langsam das Klotok zu verlassen und da die Dame mehr Angst vor uns Menschen hat, als Gian vor ihr schwingt sie sich auch gleich wieder hinein in ihren natürlichen Lebensraum. Ein weiteres wahnsinniges Erlebnis auf dieser tollen Tour.

Neben unseren Besuchen in den Camps und unseren atemberaubenden Begegnungen mit den Orang Utans unternehmen wir noch eine Nachtwanderung durch den Dschungel, bei der wir unter anderem tausende von Spinnen und auch eine gefürchtete Tarantel sehen. Des Weiteren pflanzen wir noch zwei Bäume, in von Waldbränden betroffenen Gebieten des Tanjung Nationalparks.

Unsere Tour haben wir bei Borneo Holidays gebucht und können diesen Touranbieter weiterempfehlen. Man muss allerdings dazu sagen, dass es immer auf das Klotok ankommt, welches man hat. Unsere Humming Bird war klasse!

Palmöl, die Fütterungsplattformen und der Ökotourismus

Auf unserer gesamten Tour haben wir uns lange mit Gian über die Palmöl Problematik und die Orang Utan Fütterungen, welche aus meiner Ansicht nur aus touristischen Zwecken durchgeführt werden, unterhalten, um zu verstehen, ob diese Art von Ökotourismus gut oder schlecht ist. Wie so häufig kann man diese Frage leider nicht so leicht beantworten, da es nicht immer nur schwarz oder weiß gibt.

Man muss wissen, dass in Indonesien Ende 2015 extreme Brände mal wieder einen Großteil des Dschungels zerstört haben. In unseren westlichen Medien hat man hiervon fast gar nichts mitbekommen. Doch nicht wenige sagen, dass es “vielleicht die schlimmste Umweltkatastrophe des jungen Jahrtausends” war. Diese Brände werden häufig nur aus einem Grund gelegt. Um noch mehr Flächen für die Produktion von Palmöl zur Verfügung zu stellen. Nicht selten werden Sie auch von den Menschen selbst gelegt die hier leben. Aber warum ist das so? Aus unserer westlichen Sichtweise scheint dies vollkommen unverständlich. Die Menschen in Borneo jedoch haben häufig keine Lebensgrundlage. Es geht bei ihnen um das nackte Überleben. Umweltschutz oder ein verantwortungsvoller Umgang mit der Natur kennen die wenigstens. Sie sind froh, wenn sie genug zu essen haben und eine Behausung zum schlafen. Genau diese Not nutzen die großen Palmölfirmen aus. Sie geben den Menschen Strom, fließend Wasser und einen Job und nehmen im Gegenzug den Regenwald. Klingt nach einer vermeintlichen Win-Win Situation für beide Seiten. Welche langfristigen ökologischen Schäden durch den rücksichtslosen Raubbau am Regenwald entstehen, kann die Menschheit jedoch nur erahnen.

Orang Utan Tanjung Puting National ParkSollte man vor diesem Hintergrund den Ökotourismus unterstützen, bei dem Orang Utans an Fütterungsstellen gelockt werden, sodass Touristen Fotos von Ihnen machen können?

Unserer Meinung lautet: “Ja, man sollte dies unterstützen”. Durch den Tourismus, müssen viele Menschen nicht in den Palmöl Plantagen arbeiten, sondern können anderweitig ihr Geld verdienen. Sie lernen verantwortungsvoll mit der Natur umzugehen und lernen, dass es wichtig ist, das Ökosystem Regenwald zu schützen. Ihr Wissen tragen Sie in ihre Familien und in ihren Bekanntenkreis. Wir Touristen auf der anderen Seite bekommen hautnah mit, welche Auswirkungen unser westlicher Lebensstil (etwa jedes zweite Supermarktprodukt enthält Palmöl) auf den Lebensraum Regenwald hat.

Vor dem Hintergrund einer immer größeren weltweiten Nachfrage an Palmöl und auch vor dem Hintergrund, dass die indonesische Regierung in den kommenden Jahren noch mehr Palmöl produzieren will, scheint die Zukunft für den Regenwald nicht positiv auszusehen. Der Großteil des Regenwalds in Borneo ist bereits abgeholzt. Auf den Inseln Sulawesi und Papua beginnt derzeit die Abholzung des Regenwaldes, hier entstehen die ersten Palmöl Plantagen.

Nützliche Links und Infos für deinen Besuch im Tanjung Puting Nationalpark:

  • Unser Hotel in Pangkalan Bun: Grand Kecubung*
  • Unser Touranbieter: Borneo Holidays
  • Entgegen den Infos im Lonely Planet, zeigen unsere Erfahrungen, dass man bereits vorab ein Klotok buchen sollte. Sich vor Ort ein Guide, Boot, Koch etc. selbst einzeln zusammenzusuchen ist schlichtweg nicht möglich.

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4 comments

  1. Comment by Patrick

    Patrick Reply 13. September 2016 at 11:24

    Hallo Christoph! Toller Erfahrungsbericht, der einem definitiv eine Tour mit Borneo Holidays schmackthaft macht. 🙂 Darf ich fragen, was die Tour mit Borneo Holidays insgesamt gekostet hat?

    • Comment by Christoph

      Christoph Reply 13. September 2016 at 16:37

      Hey Patrick,
      danke für dein Feedback 🙂
      Die 4 Tage / 3 Nächte Tour hat uns für zwei Personen Rp.7,290,000 gekostet. Die 3 Tage / 2 Nächte Tour hätte für zwei Personen Rp. 5,890,000 gekostet.

      Viele Grüße
      Christoph

  2. Comment by steinfisch

    steinfisch Reply 12. Februar 2016 at 13:48

    100% Luftfeuchtigkeit ist nichts für mich. Ich halte es gerade mal 1 Stunde in einem tropischen Schmetterlingshaus aus. 😀
    Euch am Computer aber durch den Regenwald zu folgen ist grandios! Danke für den Text, Video und Fotos! 😀 😀 😀

    Profit steht in der heutigen Zeit an 1. Stelle. Zerstörung der Natur, ein Beispiel die Rodung des Regenwaldes; aber auch die Waffenindustrie bereichert sich an den sinnlosen Kriegen! Ob die Menschheit jemals aus diesen Fehlern lernt? Ich glaube nicht daran.

    Geniest die herrliche, friedliche Natur! Liebe Grüsse vom Steinfisch

    • Comment by Christoph

      Christoph Reply 18. Februar 2016 at 11:16

      Es war wirklich ein ganz besonderes Erlebnis für uns, schön daher zu lesen, dass wir es mit unserem ersten Video, dem Beitrag und den Bildern etwas widerspiegeln konnten.

      Und ja, wenn es um Geld geht, gibt es keine Grenzen, das sehen wir leider so häufig auf unserer Weltreise und es macht uns wirklich traurig 🙁

      Viele Grüße senden Caro & Christoph 🙂

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