Sapa und die Ethos Community

16. Juni 2016

Menschen 80
Essen 80
Urlaubsfeeling 60

0 – Geht gar nicht
20 – Ohje, ohne Worte
40 – Ist bzw. sind Ok, könnte aber besser sein

Sehenswürdigkeiten 80
Sicherheit 80
Gesamteindruck 80

60 – Passt
80 – Prima, wir bleiben gerne länger
100 – Perfekt, wir wollen nicht mehr weg

Nach unserem Besuch des Sonntagsmaktes in Bac Ha machen wir uns auf die Weiterreise nach Sapa. Nach fünf Stunden im quälend engen Minibus, welcher sich immer wieder abwechselnd die Serpentinen hinunter oder herauf schlängelt, kommen wir im ehemaligen Erholungsort der französischen Kolonialherren an. Sapa liegt eingebettet inmitten von Bergen und dient den meisten Touristen als Ausgangsort für eine Trekkingtour in eben diese Bergwelt.

Als wir den Bus, welcher mitten im Stadtzentrum hält, verlassen überkommt uns ein äußerst komisches Gefühl. Die Straßen sind voll von Hmong Frauen. Gekleidet in wunderschönen Trachten versuchen sie, ihre traditionell angefertigten Produkte an den Mann zu bringen. Nur langsam schaffen wir es mit unseren großen Rucksäcken durch die Straßen Sapas, denn alle fünf Meter werden wir von den Frauen angebettelt etwas zu kaufen oder eine Trekking-Tour zu buchen. Uns ist das alles viel zu viel und wir flüchten uns erst einmal in unser Hotel. Der Grund dieses seltsamen Schauspiels soll uns jedoch erst später offenbart werden.

Von unserem Hotel aus genießen wir die herrliche Aussicht auf die Bergwelt. Wir fühlen uns fast wie in den Alpen. Wären da nicht die hübschen Reisterrassen, welche sich so wunderbar an die Hänge der umliegenden Berge schmiegen. Je nach Sonnenstand glitzert das Wasser in den Reisterrassen in einer anderen Farbe. Wir sind total begeistert und wollen uns das Ganze aus nächster Nähe anschauen. So begeben wir uns auf die Suche nach einem Guide der uns diese Region zeigen kann.

Die Reisterrassen rund um Sapa

Die Reisterrassen rund um Sapa

Wir laufen durch die von Touristen nur so vollgestopfte Stadt, vorbei an hunderten von Hotels, Restaurants und sonstigen Krimskrams-Geschäften immer auf der Suche nach einem Trekking Anbieter. Davon gibt es wirklich viele in dieser Stadt, doch niemand überzeugt uns so richtig. Da wir diese Stadt einfach nur hässlich finden und uns auch absolut nicht wohl fühlen, spielen wir sogar mit dem Gedanken einfach wieder abzureisen.

Im Internet finden wir durch Zufall einen Trekking Anbieter mit ziemlich guten Bewertungen. Wir entscheiden einfach mal im Büro des Anbieters vorbei zu schauen.

Irgendwann weit außerhalb der Stadt stehen wir vor einem Haus ohne Schild. Hier muss das Büro sein, sage ich zu Caro. Wir beschließen einfach mal zu klingeln und nachzufragen ob wir hier richtig sind. Ein Hmong Mädchen in traditioneller Kleidung öffnet uns die Tür und begrüßt uns in einem super Englisch. Wir scheinen richtig zu sein. Wir werden sofort mit frischem Tee versorgt und sollen noch etwas warten bis Phil kommt.

Phil ist Engländer und lebt schon seit fast 20 Jahren, gemeinsam mit seiner vietnamesischen Frau hier in Sapa. Er erzählt uns, dass es den ethnischen Minderheiten hier in Vietnam sehr schlecht geht und möchte uns gern mehr darüber erzählen. In der nächsten Stunde erhalten wir so viele Informationen über die ethnischen Minderheiten und deren Probleme, dass wir uns ziemlich schlecht fühlen, da wir bei unserer Anreise in Sapa, aufgrund unserer Unwissenheit, ein völlig falsches Bild von den Hmong Frauen erhalten haben.

Phil mit einer kleinen Hmong

Phil erzählt, dass viele Familien gerade genug Essen haben, um überleben zu können. Dies hängt unter anderem damit zusammen, dass die Reisterrassen aufgrund des Klimas nur einmal pro Jahr bewirtschaftet werden können. Im Süden Vietnams sind im Gegensatz dazu bis zu vier Reisernten möglich. Weiterhin haben die meisten Hmong keine Pässe und es ist ihnen weder erlaubt in einen der vielen Hotels oder Restaurants zu arbeiten, noch dürfen sie eine eigene Firma gründen um so ein eigenes Geschäft zu eröffnen. Sie werden massiv von der vietnamesischen Regierung unterdrückt.

Phil erklärt uns, dass die Frauen in der Stadt eigentlich nur um das nackte Überleben kämpfen und daher keine andere Wahl haben, als ihre handwerklich hergestellten Produkte zu verkaufen. Zwar seien all diese Verkäufe und auch die eigenen Trekking-Touren nicht erlaubt, doch es zeigt einfach in welch einer aussichtslosen Situation sich diese Menschen befinden.

Phil hat mit seiner vietnamesischen Frau daher eine NGO gegründet, die Ethos Community. Er möchte die ethnischen Minderheiten an den Einnahmen die durch den Tourismus entstehen teilhaben lassen. Perverserweise funktioniert der Tourismus in Sapa nur wegen den Reisterrassen und den traditionell gekleideten Hmong. Und gerade die sollen laut der vietnamesischen Regierung nicht davon profitieren? Für uns ist das nicht nachvollziehbar.  

In der Community arbeiten ausschließlich Hmong. Sie führen ganz private Touren, mit maximal vier Personen, durch die Bergwelt Sapas durch. Darüber hinaus unterstützt die Community die Guides und deren Familien beim Englisch lernen und bei der Erhaltung Ihrer Tradition. Die Community baut aber z.B. auch Kachelöfen in den Häusern der Guides und bietet ihnen den Zugang zu ärztlicher Versorgung.

Gemeinsam wurde so auch eine Schule erbaut, in die jeder kommen kann um z.B. Englisch zu lernen. Nach der Rückkehr von einer kurzen Reise, so erzählt uns Phil, findet er diese Schule jedoch leer vor. Das komplette Mobiliar, die Bücher, Stifte einfach alles ist weg. Eine Nachfrage bei der örtlichen Polizei ergibt, dass die Behörden die Schule als zu gut und fortschrittlich für die ethnischen Minderheiten empfunden haben und sie daher in die nächst größere Stadt Lao Cai umgesiedelt haben.

Phil sagt, dass diese Repressalien häufiger vorkommen. Er und die Community lassen sich jedoch davon nicht unterkriegen und werden immer weiter machen.

Wow, wir sind vollkommen überrascht, welch eine Wendung wir innerhalb von nur einer Stunde gegenüber diesem Ort vollzogen haben. All unsere Einschätzungen und auch Vorurteile waren vollständig falsch. Wir sind dem Zufall, der uns zu Phil gebracht hat, so dankbar, dass wir nun verstehen was hier wirklich vor sich geht. Es sind genau diese Momente weshalb wir Reisen. Immer wieder treffen wir ganz ganz tolle Menschen, die uns einen Ort aus einem ganz anderen Blickwinkel zeigen. Auf diese Weise haben wir schon ziemlich viel auf unserer Reise gelernt. 

Da wir total von dem Konzept und der Community überzeugt sind und diese auch unterstützen möchten, buchen wir gleich einen Trek. Was wir hier erleben, werden wir so schnell nicht vergessen.

Aber von vorn. Am nächsten Morgen holt uns So, eine junge Mutter von drei süßen Kindern, die wir im laufe des Tages auch noch kennenlernen werden, von unserem Hotel ab. Gemeinsam laufen wir zum Markt, um für das Mittagessen einzukaufen. Es ist einfach nur toll jemanden dabei zu haben, der sich auskennt und die gleiche Sprache spricht. Wir erfahren viel über das Obst und Gemüse welches hier verkauft wird, entdecken neue Sorten und dürfen überall probieren. Unsere Einkäufe wandern direkt in den großen Bambuskorb, der so typisch für die hier lebenden ethnischen Minderheiten ist.

Dann machen wir uns auch schon auf den Weg. Unser Ziel ist das Haus der Großeltern von So, wo wir gemeinsam das Mittag zubereiten und essen werden. Auf dem Weg dorthin löchern wir So mit all den Fragen die wir so haben. “Wünschst du dir nicht auch so ein Leben in der Stadt mit Strom und fließendem Wasser?”, “Bist du glücklich mit deinem Leben in den Bergen?”, “Siehst du dich als Vietnamesin?” und “Wie ist das eigentlich mit dem Kinder kriegen hier?”

So - unser Guide

Durch ihre Antworten bekommen wir überraschende Einblicke, in eine für uns „Westler“ doch so andere Welt. So erzählt uns, dass sie mehr als glücklich in den Bergen ist. Sie wünscht sich auch keine Wohnung in der Stadt. Sie findet es super, dass in ihrem kleinen Bergdorf einfach jeder jedem hilft und es nicht so wie in der Stadt ist, wo jeder nur seinen persönlichen Vorteil sucht. Im Dorf bestellt man die Felder gemeinsam. So kommen erst die Nachbarn und Freunde auf das eigene Feld um zu helfen, bevor alle gemeinsam auf dem Feld des Nachbarn helfen. Auch ist es sehr interessant für uns zu erfahren, dass schwanger sein keine Krankheit ist (so wie es ja bei uns häufig dargestellt wird). So erzählt uns, dass sie bis zum Tag der Geburt gearbeitet hat. Dies sei auch viel besser, da dann die Geburt viel einfacher ist. Diese und noch viele andere spannende Einblicke lassen uns zu der Erkenntnis kommen, dass wir uns vielleicht wieder etwas mehr von diesem alten Wissen und bewährten Erfahrungen abschauen sollten.

Angekommen am Haus der Großeltern, wartet schon die ganze Familie, die Freunde und die Helfer, die gerade zusammen das Maisfeld gehackt haben. So’s Großmutter ist stolze 96 und ihr Großvater 98 Jahre alt. Sie leben in einer für uns archaisch anmutendem Scheune ohne Strom und fließend Wasser. So erzählt uns, dass die Großeltern auch keine Toilette haben wollen, sie bevorzugen lieber den Wald. Wir fühlen uns um 100 Jahre zurückversetzt und wie in eine andere Welt gebeamt. Die Küche im Haus besteht aus einer offenen Feuerstelle. Gemeinsam mit den anderen Helfern schneiden wir das Gemüse zurecht, bevor alles in einen Topf wandert. Dann wird schnell noch der Tisch gedeckt und alle essen zusammen die leckeren Sachen die wir heute morgen auf dem Markt gekauft haben. Jedes mal wenn So Touristen hier mit hinbringt gibt es für alle ein richtiges Festmal. Normalerweise sehen die Mahlzeiten hier ziemlich eintönig aus. Außer trockenem Reis und einer Gemüsesorte gibt es meist nicht viel mehr.

Für uns wirkt diese ganze Situation äußerst surreal und ich muss Caro immer wieder fragen, ob das jetzt gerade echt ist was wir hier erleben. Für uns ein wirklich einmalig intimes Erlebnis, das Alltagsleben der Hmong so hautnah miterleben zu dürfen.

Bei unserer Anreise in Sapa hätten wir niemals mit so einer tollen Erfahrung gerechnet. Wir sind So, ihrer Familie und ihren Freunden, aber auch Phil und der gesamten Community für dieses Erlebnis sehr dankbar. Uns ganz persönlich zeigt es mal wieder, dass Tourismus auch anders gehen kann und nicht auf dem Rücken der schwächsten ausgetragen werden muss!

Wir werden auch weiterhin in Kontakt mit Phil bleiben und die anstehenden Projekte in der Community verfolgen und vielleicht sogar unterstützen. Es bleibt für uns also weiterhin spannend.

Nützliche Links und Infos für deinen Besuch in Sapa:

  • Unsere Unterkunft in Sapa: Cat Cat Hotel*
    Das Hotel war super in Ordnung. Wir hatten ein großes, sauberes Zimmer und heißes Wasser zum duschen. Hervorzuheben ist, dass das Hotel als eines der ganz ganz wenigen einen Hmong Mitarbeiter hat. Außerdem ist der Besitzer ein passionierter Hobbyfotograf und macht tolle Bilder, die auch überall im Hotel aushängen. Von der großen Terrasse im ersten Stock hat man übrigens einen super Blick auf die umliegende Bergwelt.
  • Ethos Community: Ethos
    Check auf jeden Fall auch die Webseite von Ethos. Hier wird dir nochmal alles ganz transparent dargelegt.

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4 comments

  1. Comment by Maria Anna

    Maria Anna Reply 20. Juni 2016 at 15:24

    Oh diese Bilder, die sind wirklich schön. Und es ist cool, eure Geschichten, die ich sonst bei Snapchat sehe, jetzt hier in ganz und groß nachlesen zu können 🙂

    • Comment by Christoph

      Christoph Reply 20. Juni 2016 at 20:29

      Hey,
      cool das dir unsere Fotos gefallen und du uns auch hier auf dem Blog verfolgst! Wir freuen uns schon darauf, wenn du bald loslegst 🙂
      Viele Grüße aus Mexico

  2. Comment by Theresa

    Theresa Reply 17. Juni 2016 at 3:05

    Hi,
    wie hieß denn die Tour die ihr gemacht hattet?
    Grüße
    Theresa

    • Comment by Christoph

      Christoph Reply 17. Juni 2016 at 19:21

      Hey Theresa,

      das kann ich dir leider gar nicht so genau sagen, da wir einfach im Gespräch mit Phil besprochen haben was wir uns wünschen. Wir haben uns für einen 1 Tages-Trek mit mittlerem Schwierigkeitsgrad entschieden. Es gibt aber auch noch andere Optionen, wie z.B. einen Mehrtages-Trek.

      Am besten du schreibst Phil und sein Team einfach mal direkt an um zu klären, was für dich am besten passt 🙂

      Viele Grüße
      Christoph

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