Rishikesh – Ein Fest für die Sinne

10. September 2015

Menschen 60
Essen 60
Urlaubsfeeling 60

0 – Geht gar nicht
20 – Ohje, ohne Worte
40 – Ist bzw. sind Ok, könnte aber besser sein

Sehenswürdigkeiten 40
Sicherheit 60
Gesamteindruck 60

60 – Passt
80 – Prima, wir bleiben gerne länger
100 – Perfekt, wir wollen nicht mehr weg

Schlafend im Zug durch Indiens Nacht

Es rattert. Aber nur ganz leise. Um uns herum leises Gemurmel. Unsere Anreise nach Rishikesh ist schon ein Highlight für sich. Morgens um sechs Uhr wachen wir in einem Nachtzug auf. Ein Erlebnis das man sich in Indien nicht entgehen lassen sollte. Da Indien ein so großes Land ist, verkehren zwischen den einzelnen Städten Nachtzüge. Ganz schön praktisch, denn so wird man über Nacht an einen anderen Ort gebracht. Aber auch wenn man die zweitbeste Klasse (AC2) bucht, teilt man sein Abteil mit vielen fremden Menschen.

Ob wir gut geschlafen haben? Anfangs war ich wirklich skeptisch. Immer wenn wir von einem Ort zum anderen reisen kann ich mich nicht entspannen. Ständig bin ich in Sorge um unser Gepäck und befürchte das uns etwas geklaut wird. Ich schau mir die Leute immer ganz genau an. Warum nähert sich der eine Mann? Was könnte er wollen? Völlig paranoid und mit Adleraugen bewache ich also permanent unser Rucksäcke. Schließlich befinden sich all unsere Sachen darin. Nachtzug also. Zweite Klasse mit Klimaanlage. Wie soll ich auch nur ein Auge zu bekommen wenn wir uns den Schlafzug mit 50 fremden Menschen teilen?  Im Zug steht ein Doppelstockbett neben dem anderen. Jedes Bett bildet eine eigene kleine Koje. Privatsphäre bekommt man durch die blau geblümte Vorhänge, die vor jeder Koje hängen. Zwischen den Betten ist ein schmaler Gang durch den wir mit unseren Rucksäcken gerade so durch passen. Alles ganz schön eng hier.

In meinem Kopf ist nur eine Frage. Wo verstaue ich mein Gepäck – und das vor allem sicher? Ich sehe nur eine Möglichkeit und stelle meinen Rucksack ans Ende von meiner Schlafkoje. Meine Füße presse ich dagegen. Mir bleibt auch gar nichts anderes übrig. Alle Betten in Indien sind um einiges kürzer als in Deutschland. Ich liege oben im Doppelstockbett und Christoph liegt in dem Bett unter mir. Wir liegen in Fahrtrichtung. Mit meinen Armen umklammere ich fest mein Handgepäck. Wir sind ganz erschöpft vom reisen. Augen zu. Vor uns liegt eine elf-stündige Fahrt durch Indiens Nacht. Erstaunlicherweise finde ich sehr schnell in den Schlaf und träume wirres Zeug. Irgendwer macht mitten in der Nacht das Licht an. Und nicht wieder aus. Einmal wache ich deshalb kurz auf, schlafe aber schnell wieder ein.

Als es morgens langsam hell wird wache ich auf und krieche mit in Christophs Koje. Sitzend, mit den Füßen aneinander schauen wir durch die Fenster und beobachten wie die Sonne über den vorbeiziehenden Feldern aufgeht.

Rishikesh – Eine indische Stadt wie jede andere auch?

Nein! Hier spielt sich das Leben am Wasser ab. Das gefällt mir sehr gut, da das Wasser hier eine besondere Stellung hat, genau wie in Hamburg. 😉 Die Bedeutung ist natürlich eine andere. Durch Rishikesh fließt der heilige Ganges den wir hier zum ersten mal sehen. Später, in Varanasi werden wir ihm ein zweites mal auf unserer Reise begegnen. Der Fluss unterteilt den Ort in zwei Hälften. Südlich davon dürfen keine Autos und Tuk Tuks auf den Straßen fahren, Roller jedoch schon. Für uns bedeutet das trotzdem Ruhe. Ruhe vor dem lauten Verkehrslärm und dem permanenten Hupen. Und Ruhe vor den Tuk Tuk Fahrern die einen immer unbedingt irgendwo hin fahren wollen. Ein “Nein” verstehen sie meistens nicht so gut.

Wer jetzt jedoch denkt, dass die Straßen dadurch leer sind, irrt sich. In keinen anderen Gassen begegnen uns so viele Kühe und deren Haufen wie hier. Die Kühe benehmen sich wie ganz normale Fußgänger und schauen sogar neugierig in die Geschäfte hinein. Außerdem treffen wir in Rishikeshs Straßen so viele Affen wie noch nie. Auch wenn die Mütter mit ihren Babys am Bauch sehr niedlich aussehen, haben wir dennoch großen Respekt vor ihnen. Seit uns die Affen unsere Obsttüte aus den Händen gerissen haben, um von uns Bananen zu klauen, sind wir lieber vorsichtig und versuchen einen großen Bogen um die vielen Affen am Straßenrand zu machen. Bananen transportieren wir ab sofort nur noch in undurchsichtigen Beuteln. Als ein Verkäufer uns dabei beobachtet wir wir unsere Bananen doppelt verpacken, lacht er nur und ruft “Monkeys”. Er weiß bescheid.

Dennoch, es beeindruckt uns wirklich sehr, wie hier alle Menschen und Tiere ganz selbstverständlich neben einander leben. Gerade die großen und mächtigen Kühe wirken auf uns gar nicht gefährlich. Sie stehen oder liegen immer ganz friedlich auf den Straßen. Provozieren würde ich sie aber trotzdem nicht.

Wo es Wasser gibt… Gibt es auch? Richtig, Brücken und Schiffe. 🙂 Den Ganges überquert man am besten über die beiden Brücken Lakshmanjhula und Ram Juhla oder man fährt mit einem kleinem Boot für 10 Rupie (ca. 13 Cent) auf die andere Seite. Einmal nehmen wir das Boot und schwelgen in Erinnerung an Hamburg.

Rituelle Waschungen im heiligen Ganges

Rishikesh ist eine Stadt am Fuße des Himalayas. Eine Stadt durch die der heilige Ganges fließt. Das Wasser ist hier noch verhältnismäßig sauber. Es schimmert leicht grünlich. An den Ghats (breite Treppen welche bis in das Wasser hinunter führen) sehen wir den ganzen Tag Inder die im Fluss baden, ihre Wäsche waschen oder das Wasser in kleine Kanister abfüllen. Für Zuhause. Anders als in Amritsar beim Goldenen Tempel baden hier Männer und Frauen zusammen. Sie ziehen sich sogar voreinander um. Natürlich badet hier niemand in Badesachen. Inderinnen im Bikini kann ich mir auch gerade nicht vorstellen. Die Frauen gehen in langen Gewändern ins Wasser, die Männer in Unterwäsche – Oberkörper frei. Nach dem Baden sieht man, wie sie sich geschickt aus ihren nassen Sachen befreien und in Wechselkleidung schlüpfen.

Ungefährlich ist das Baden nicht. Die Strömung ist sehr stark. Ob die Inder überhaupt schwimmen können? Um einer Katastrophe vorzubeugen hat man Seile am Wasserrand gespannt, so können sich die badenden Gläubigen festhalten. Wir sehen aber auch kleinere Kinder die offenbar zum ersten Mal im Ganges baden bzw. baden sollen. Die Angst ist ihnen ins Gesicht geschrieben. Es hilft nichts. An der Hand des Vaters nimmt ein Mädchen ihren ganzen Mut zusammen und taucht einmal unter. Die Nase hält sie sich dabei zu. Ihr Blick geht zum Vater, einmal reicht nicht. Sie tut ihm den Gefallen und taucht noch ein paar weitere Male unter. Auch im Nachhinein wirkt das Mädchen nicht besonders glücklich. Sie wird sich wohl dran gewöhnen müssen.

Andere suchen ihr Glück im Ganges auf eine andere Weise. Ein Mann in oranger Kleidung spekuliert auf wertvolle Gegenstände, die die Menschen beim Baden verloren haben könnten. Mit einem kleinen Magneten läuft er das Ufer ab.

Die Kühe fühlen sich am Wasser ebenfalls sichtlich wohl. Sie haben sogar einen eigenen Liegebereich nur für sich. Hier sind sie unter sich, umgeben von ihren dicken und dünnen Haufen. Ihr “Kuhstall” wird nur selten gesäubert und so fliegen hier besonders viele Fliegen im Kreis.

Beinahe jeden Tag lassen wir uns auf den Stufen der Ghats nieder und beobachten die Menschen bei ihren rituellen Waschungen. Wir sind ganz beeindruckt von der Energie und Ruhe die von diesem Fluss ausgeht.

Yoga und Meditation an jeder Ecke

Rishikesh – die Welthauptstadt des Yogas. Jetzt sind wir schon über zwei Wochen in Indien und ich habe immer noch kein Yoga gemacht. Wenn ich es hier nicht versuche, wo dann? Praktisch  – in unserem Hotel, welches wir wirklich nur empfehlen können, gibt es einen eigenen Yoga-Raum mit drei Kursen am Tag. Ich entschiede mich für den ersten: Yoga und Meditation. Der Kurs startet um sieben Uhr morgens und endet nach anderthalb Stunden. Wir sind eine kleine Gruppe, zusammen mit dem Yogalehrer sind wir zu fünft. Ich bin froh, dass dies nicht meine allererste Yogastunde ist und ich mich dementsprechend nicht ganz so blöd anstelle. 😉 Eine Sache bekomme ich jedoch nicht hin, alle anderen im Kurs auch nicht. Der Yogalehrer zeigt uns wie er seinen Bauch hoch und runter bewegen kann. Das sieht völlig verrückt aus und erfordert sicher viel Übung. Außerdem erzählt er uns, dass man diese Übung am besten ohne einen Sixpack am Bauch schafft. Anderenfalls ist der Bauch nicht geschmeidig genug. Mit einem Augenzwinkern erzählt er uns, das er sich zum Wohle seiner Gesundheit gegen die Bauchmuskeln entschieden hat. In diesem Video seht ihr was ich meine.

Ich für meinen Teil habe es mit dieser einen Yoga-Stunde gleich wieder übertrieben und mich zu stark gedehnt. Mir tun die Beine weh. Nochmal schaffe ich einen Yogakurs in Rishikesh nicht, mein Körper muss sicher erstmal wieder erholen.  Schade, denn den ganzen Tag fühle ich mich putzmunter und pudelwohl. Wenn man das jeden morgen machen würde, ist es sicher ganz fantastisch für den Körper. Motivation genug um dran zu bleiben, ich habe ja schließlich ein Jahr Zeit um ein guter Yogi zu werden.

Ganga Aarti Zeremonie

Neben den Waschungen gibt es jeden Abend eine schöne spirituelle Zeremonie direkt am Ganges. Sie heißt Ganga Aarti und findet in der Nähe des Parmarth Niketan Ashrams statt. Jeden Abend ab halb sieben sammeln sich die Bewohner des Ashrams, vor allem Kinder und Jugendliche, um am Ganges die Zeremonie durchzuführen.

Schon Stunden davor sprechen uns immer wieder kleine Mädchen und Jungen an und wollen uns Schalen aus Blättern, Blumen, Kerzen und Räucherstäbchen verkaufen. Zusammen mit ihren Müttern sitzen sie den ganzen Tag am Ganges und dekorieren die hübschen kleinen Diyas. Wir kaufen auch eins und lassen es später, als es dunkel ist, ins Wasser gleiten.

Die Zeremonie ist sehr rhythmisch und feierlich. Es wird getrommelt, gesungen und getanzt. Man sieht den Menschen ihre Freude bei der religiösen Zeremonie an. In Deutschland fehlt mir genau diese Begeisterung. Hier in Indien fühlt sich jeder Eins mit sich und hat keine Hemmungen alles aus sich heraus zu lassen. Jeder kann im Prinzip tun und lassen was er will. Eine Frau sticht besonders aus der Masse. Sie tanzt nur für sich allein und spürt in dem Moment nur die Liebe zur Religion in sich. Es sieht wirklich sehr hingebungsvoll aus. Ich bin ganz begeistert und fasziniert. So muss das sein, denke ich. Optisch sieht das Fest natürlich auch sehr toll aus. Gemeint sind all die Menschen in ihren bunten Kleidern. So langsam entdecken wir auch ein paar schöne Seiten an Indien.

Nach der Zeremonie werden mehrere kleine Kerzenleuchter angezündet und durch die Menschenmassen gegeben. Jeder hat nun die Möglichkeit sein Blumenschiffchen daran zu entzünden und es aufs Wasser zu setzen. Manche Inder schöpfen mit ihrer Hand Wasser aus dem Ganges, beten und träufeln es sich anschließend auf die Haare oder in das Gesicht.

Nach nur einer Stunde löst sich die Feier auf – der Zauber ist vorbei.

Krishnas Geburtstag

Am 5. September feiern wir noch ein weiteres Fest. Fast hätten wir es verpasst. Gerade noch rechtzeitig lesen wir auf der Facebook-Seite von Indien Aktuel, dass an diesem Tag Krishnas Geburtstag ist. Direkt in der Nähe von unserer Unterkunft findet im Parmarth Niketan Ashram eine große Geburtstagsparty statt. Um einen Platz sammeln sich viele Menschen und kurz darauf beginnt auch schon die Show. In einer Art Musical wird das Leben von Krishna, einer der beliebtesten Götter, dargestellt. Leider verstehen wir nicht so viel davon. Später lese ich mir die Legende von Krishna durch, erkenne aber wenig Zusammenhang zu dem Musical. Für uns ist es dennoch sehr amüsant anzusehen wir ein rundlicher Mann geschminkt tanzt und seine Hüften sehr gekonnt kreisen lässt. Ich glaube, er stellt eine Frau dar. Oder auch nicht?

Auch hier wird wieder live gesungen und getrommelt. Dazu tanzen Kinder und Erwachsene. Vor allem die kleinen Mädchen ziehen immer wieder meine Aufmerksamkeit auf sich. Schön zu sehen, wie sie selbstbewusst die Bauchtänze der Frauen imitieren.

Wenn man Krishna auf Gemälden oder als Statue sucht, erkennt man ihn immer an seiner blauen Hautfarbe und an seiner gelben Kleidung. Außerdem wird er meistens Flöte spielend und mit überkreuzten Beinen dargestellt.

Auch die anderen Ashrams in der Umgebung sind an diesem Tag festlich geschmückt. An Lametta und bunten Lichtern wurde nicht gesparrt. Ich bin mir sicher, dann man diesen Kitsch nur sehr, sehr schwer übertreffen kann.

Schöner bunter Markt

Genau wie in anderen Städten gibt es auch in Rishikesh einen Main Basar mit vielen Marktständen . Hier gibt es immer allerhand zu entdecken. Wir besuchen den Markt an einem Donnerstag. Eigentlich hat der Markt an diesem Tag geschlossen, aber einige Stände sind dennoch geöffnet. Wir sind ganz erfreut über die entspannte Atmosphäre. Dies ist etwas ganz ungewöhnliches für indische Verhältnisse. Zusammen mit den Einheimischen schlendern wir an den gut sortierten Marktständen mit Gewürzen, Snacks, Blumen und Kleidung vorbei. Eine Straße gefällt uns ganz besonders. Hier gibt es frisches Obst und frisches Gemüse. Diesen Markt können wir wirklich empfehlen, von allen anderen indischen Basaren waren wir immer sehr enttäuscht und schnell überfordert.

Und was isst man hier so?

Ehrlicherweise fällt es mir nach fast drei Wochen immer schwerer indisch zu essen. Immer öfter landet nun auch westliches Essen auf meinem Teller. Empfehlen können wir an dieser Stelle das Tip Top Restaurant im Stadtteil Swarg Ashram. Hier sitzt man in einer Rooftop-Bar und hat einen herrlichen Ausblick auf das bunte Treiben am Ganges.

Gutes indisches Essen finden wir in der Laxman Jhula Road, gegenüber vom Taxistand. Der Laden ist immer gut gefüllt, vor allem mit Einheimischen. Ein gutes Zeichen. In diesem Restaurant arbeiten fünf Männer. Jeder tut was er am besten kann und so müssen wir nicht lange auf unser Essen warten. Keine Selbstverständlichkeit in Indien. Die Preise sind auch unschlagbar. Besonders lecker ist hier das Naan Brot mit ganz vielen großen Knoblauchstückchen und Papadam.

Unsere Reise führt uns weiter nach Agra – zum großen, weltbekannten Taj Mahal. Wir sind voller Vorfreude und hoffen, dass unsere Erwartungen nicht enttäuscht werden.

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4 comments

  1. Comment by Juergen

    Juergen Reply 15. September 2015 at 15:02

    Bin begeistert vom lesen eurer Erlebnisse.Aber es wäre nicht mein Land:-)@Christoph jetzt eine schöne Rostbratwurst:-)jam jam
    wünsche euch alles gute und werde immer mal wieder reinschauen.

    • Comment by Christoph

      Christoph Reply 17. September 2015 at 13:43

      Moin Jürgen,

      schön zu lesen, dass es dir gefällt was wir so schreiben 🙂 Ne schöne Bratwurst, das wäre jetzt echt was genaues…

      Gruß
      Christoph

  2. Comment by Rinke Peter

    Rinke Peter Reply 12. September 2015 at 12:54

    Wieder einmal ein wunderschöner Beitrag und tolle Bilder von euch. Ich freue mich schon auf die Bilder vom Taj Mahal. Ich glaube das ist etwas ganz Besonderes. Macht weiter so und viel Spass auf Eurer Reise. Ramona

    • Comment by Caro

      Caro Reply 15. September 2015 at 13:09

      Hallo Ramona und Peter,
      wir freuen uns, dass euch unsere Beiträge gefallen und das ihr uns auf unserer Reise begleitest. Das Taj Mahal ist wirklich sehr beeindruckend und wunderschön. Ganz liebe Grüße von Christoph & Caro

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