Mumbai ­– Die Stadt die mich zum Nachdenken bringt

5. Oktober 2015

Menschen 60
Essen 60
Urlaubsfeeling 60

0 – Geht gar nicht
20 – Ohje, ohne Worte
40 – Ist bzw. sind Ok, könnte aber besser sein

Sehenswürdigkeiten 60
Sicherheit 60
Gesamteindruck 60

60 – Passt
80 – Prima, wir bleiben gerne länger
100 – Perfekt, wir wollen nicht mehr weg

Durch unseren Besuch in Varanasi sind wir versöhnt mit Indien. Varanasi hat unsere Haltung zu Indien verbessert und wir haben wieder Lust und Motivation weiter durch das Land reisen. 

Nach zwei Stunden Flugzeit landen wir mit dem Flugzug in Mumbai. Varanasi und Mumbai trennen über 1500 Kilometer. Indien ist wirklich riesig und diese Strecke war uns für den Zug zu weit. 

Uns überkommen gewohnte Gefühle und Anblicke. Das liegt vor allem daran, dass diese Stadt um einiges westlicher ist als alle anderen indischen Orte. Es fühlt sich fast wie in Europa an. Koloniale Gebäude, Taxis, Supermärkte, coole Cafés und sogar Shoppingmalls.

Bilder die mir nicht mehr aus dem Kopf gehen

Ich war schon in vielen unterschiedlichen Städten. Der Unterschied zwischen Armut und Reichtum erscheint mir in dieser Stadt besonders groß. In Mumbai leben auf der einen Seite die reichsten Inder und auf der anderen Seite sehe ich in dieser Stadt die ärmsten Menschen. Zwei Parallelwelten prallen aufeinander.

Gleich an unserem ersten Tag gehen wir zu dem Chowpatty Beach – dem Stadtstrand von Mumbai. Ihr ahnt es bereits, ich fühle mich wieder vom Wasser angezogen. Eigentlich ganz cool, eine Großstadt die alles zu bieten hat, sogar einen eigenen Strand. Wie in Barcelona, oder? Leider ist das hier überhaupt nicht so. Es sitzen zwar viele Menschen rund um den Strand, aber sobald man sich dem Wasser nährt sieht man fast nur Müll. Schade eigentlich. Immer mal wieder wird darüber berichtet wie viel Plastik in unseren Ozeanen schwimmt und wie viele Vögle daran schon gestorben sind. Nachdem ich diesen Strand gesehen habe, kann ich mir ungefähr vorstellen wie schlimm es in den Meeren aussehen muss. So ein Anblick macht mich wirklich traurig.

Auf dem Weg zum Strand kommen wir auch das erste Mal mit der Armut in Mumbai in Berührung. Auf den Bürgersteigen haben sich einige Menschen ein Zuhause eingerichtet. Wir sehen wie auf den Gehwegsteinen Wäsche gewaschen und gekocht wird. Wir sehen halbnackte Kinder am Straßenrand spielen und wir sehen Frauen die auf der Straße Blumenkränze zusammenbinden. Abends bauen sich die Menschen auf den Gehwegen aus einfachen Mitteln Zelte oder schlafen direkt auf der Straße.

Ein Junge, etwa in meinem Alter, liegt quer auf dem Weg. Er schläft. Wir laufen um ihn leise herum und wollen ihn nicht wecken. Als wir auf unserem Heimweg vom Strand wieder an dieser Stelle vorbei kommen liegt der Junge immer noch genau so da! Inzwischen sind etwa vier Stunden vergangen. Vier Stunden. Kann man wirklich vier Stunden auf der harten Straße schlafen? Ohne sich dabei ein einziges Mal zu bewegen? Hat er sich in der Zwischenzeit bewegt und hat dann zufällig wieder die selbe Körperhaltung eingenommen? Mir wird ganz mulmig zu mute. Ist er vielleicht betrunken und hat deshalb einen sehr, sehr festen Schlaf? Oder… ist er vielleicht tot? Kann das sein? In Varanasi sind wir viel mit dem Tod in Berührung gekommen. Kann sein, dass ich seit Varanasi emotional stärker reagiere. Kann auch sein, dass ich einfach nur schlimme Bilder im Kopf habe und alles in Wirklichkeit ganz anders ist. Wir laufen wieder ganz vorsichtig um den Jungen herum. Noch bevor wir in unserem Hotel ankommen, fängt ein starker Monsunregen an. Es schüttet wie aus Kübeln. Mein erster Gedanke ist wieder bei dem Jungen. Wird er von dem Regen wach? Steht er auf und sucht sich einen trockenen Platz für die Nacht? Oder bleibt er wirklich liegen, weil er nicht mehr lebt? Ich denke auch an die ganzen anderen Menschen die jetzt draußen auf der Straße sind. Abends im Bett kann ich nur schwer abschalten und einschlafen. Meine Gedanken kreisen immer wieder um den Jungen.

Nach einer schlaflosen Nacht scheint in Mumbai wieder die Sonne. Zufällig laufen wir wieder an der Stelle vorbei, an der gestern noch der Junge gelegen hat. Er ist weg. Ich wünsche mir wirklich sehr, dass er von dem starken Regen aufgewacht und noch am Leben ist.

Keine Lust auf Fotos

Mumbai ist Indiens Mode- und Filmmetropole. Ich hatte mir im Vorfeld schon ein paar schöne Geschichten für euch überlegt. Aber dann kam alles anders. Der erste Tag hat mich zu sehr beeinflusst. Ich wollte euch zum Window-Shopping einladen und euch zeigen was man hier tolles in den Läden finden kann. Außerdem wollten wir als Statisten in einem Bollywoodfilm mitspielen. In Mumbai werden oft Europäer angesprochen und gefragt ob sie in einem Film mitspielen wollen. Hintergrund ist, dass die Inder den Bollywoodfilmen einen internationalen Touch geben wollen.

Um auf einen Agenten zu treffen braucht man sich angeblich nur im Stadtteil Colaba aufhalten und schon bekommt man eine Statistenrolle im nächsten Kinofilm. Wir haben uns nicht an den entsprechenden Orten aufgehalten. Jedoch wurden wir in Varanasi einmal von einem Agenten gefragt. Leider hatten wir an dem Abend keine Zeit und so mussten wir ablehnen. Schade eigentlich, wäre bestimmt lustig gewesen.

Ja, all das wollten wir erleben und euch dann später ein paar bunte Bilder davon zeigen. Nun war die Motivation weg. Ich habe keine Lust mehr unsere Kamera jeden Tag mitzunehmen, viele Fotos gibt es aus dieser Woche leider nicht.

Einen Bollywoodfilm lassen wir uns trotzdem nicht entgehen. In Mumbai gibt es wirklich an jeder Ecke Kinos. Unglaublich, so viele Kinos in einer Stadt. Es gibt Kinos die schon bessere Zeiten gesehen haben und Kinos wie wir sie kennen, die Preise sind hier natürlich etwas höher. Wir entscheiden uns für den Film “Welcome Back“, einen Hindi Film ohne englischen Untertitel. Wir verstehen zwar nichts, es ist aber trotzdem ganz interessant sich das einmal anzuschauen. Man bekommt sogar Snacks bis zu seinem Sitzplatz gebracht – nicht schlecht also. 🙂

Crawford ­Markt & Shoppingmalls

Im Laufe der Woche wird meine Stimmung dann doch wieder ein bisschen besser. Ich habe zwar immer noch keine große Lust auf Fotos, aber zu Hause bleiben wir deshalb trotzdem nicht.

Einen Tag lang wollen wir uns, trotz all den gemischten Gefühlen, nur mit den Shoppingmalls und Märkten beschäftigen. Wieder zwei Extreme, die sich für uns aber ganz gut vereinbaren lassen. Wir gehen auch in Deutschland, Amerika oder Europa gerne einkaufen oder auf Märkten bummeln. Ja, man könnte auch sagen, dass es eine Art Hobby von uns ist.

Schon am frühen Morgen fahren wir mit dem Taxi zu den Shoppingmalls. Die High Street Phoenix Mall ist wohl die luxuriöseste Mall die ich je gesehen habe. Ein internationaler Designer reiht sich an den anderen. Chanel, Burberry, Gucci… Hier kann man sehr, sehr schnell vergessen das man in Indien ist!

In der oberen Etage der Mall entdecken wir einen Supermarkt. Den ersten richtigen Supermarkt seit Wochen! Eigentlich ist es eher ein Feinkostmarkt als ein normaler Supermarkt. Hier fühlen wir uns richtig wohl. Wir lieben es durch Regale mit hochwertigen Nahrungsmitteln in Bio-Qualität zu gehen und neue ausgefallene Spezialitäten zu entdecken.

Außerdem liebe ich das Verpackungsdesign von diesen Lebensmitteln. Hochwertige Produkte sehen immer gleich soooo viel schöner aus. Ich will nicht wissen wie viele Produkte ich schon gekauft habe, nur weil ich mich in das Verpackungsdesign verliebt habe!

Das tollste an diesem Geschäft ist jedoch, dass man an vielen Ecken probieren kann. Wir probieren verschiedene Sorten Pesto, Olivenöl und Aufstriche, Brot, Pizza, Obst und Gemüse. Herrlich. Solche „Erlebnissupermärkte“ sind auch in Deutschland gerade sehr im Kommen – EDEKA macht es vor. In Hamburg haben wir unzählige Tage auf diese Art und Weise verbracht. 

Direkt neben der Luxus-Shoppingmall steht noch eine weitere Mall. Viel, viel weniger luxuriös aber vergleichbar mit deutschen Einkaufszentren: es gibt Läden mit Kleidung und Fastfood.

Wir lieben nicht nur Supermärkte mit einem besonderen Sortiment, sondern auch große (Wochen-) Märkte. Besonders spannend finden wir dort immer die verschiedenen Obst und Gemüsesorten. Auf dem Crawford Markt finden wir neben Tomaten, Gurken, Kürbisse, Bananen, Äpfel und Birnen auch die unterschiedlichsten Gewürze, Süßigkeiten, Blumen, Drogerieartikel und sogar niedliche Haustiere.

Streetfood

Super günstig und lecker essen wir in der Nähe von der Uni. In einer kleinen Straße im Cross Maiden Park steht ein Fastfood-Imbiss neben dem anderen. Es gibt indische, chinesische und amerikanische Gerichte. Einige Stände bieten auch frisch geschnittenes Obst und frische Säfte an. Den frisch gepressten Zuckerrohrsaft sollte man hier unbedingt probieren. Wirklich sehr lecker. Also unbedingt vorbei schauen falls du mal in Mumbai bist.

Geburtstag von Ganesh

Zufällig startet während unseres Aufenthalts in Mumbai eines der größten heiligen Feste Indiens. Zwischen zehn und zwölf Tage wird der Geburtstag des Elefantengotts Ganesh gefeiert. Da das Fest an unserem letzten Tag in Mumbai startet bekommen wir hier leider nur die Vorbereitungen und den Anfang des Festes mit. In der ganzen Stadt sind bunte und kitschig geschmückte Altare mit Ganesh aufgebaut. Am Abend beobachten wir immer wieder kleinere Umzüge in der Stadt. Meist ist eine ziemliche laute Band mit dabei die trommelt. Viele Menschen tanzen einfach fröhlich umher und feiern Ganesh. Und Feuerwerk, das können die Inder auch ganz gut. Jeden Abend knallt es anlässlich des Festes an allen Ecken. In Deutschland sind die Böller glaube ich nicht zugelassen, denn Sie krachen ziemlich laut. Als wir weiterreisen sind wir ein bisschen traurig. Glücklicherweise wird auch in Goa gefeiert, sodass wir den Abschluss des Festes dort erleben. 

Mumbai - Ganesh

Welche Stadt hat dich schon einmal zum Nachdenken gebracht? Ging es dir dann wie mir und du hattest dann auch plötzlich keine Lust mehr, obwohl die Stadt so viel zu bieten hat? Schreib’ uns dazu in den Kommentaren.

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9 comments

  1. Comment by Michael Reichardt

    Michael Reichardt Reply 6. Oktober 2015 at 20:21

    Hallo Caro,
    ja, Du hast recht Mumbai (damals Bombay) ist eigentlich die Stadt mit der höchsten westlichen Prägung bedingt durch die Kolonialzeit durch England.
    Frappierend war für mich damals aber auch der Riesenunterschied zwischen arm und reich und das kannte ich nun als gelernter DDR-Bürger überhaupt nicht, auf der einen Seite, die mit Hubschrauber und Riesenklunkern an den Fingern und die ärmsten der Armen. Direkt vor unserer Vertretung saß ein alter nackter Mann und kochte sich auf einem kleinen Kocher Reis, daneben saß eine jüngere Frau mit zwei kleinen Kindern. Als der Reis fertig war, nahm der alte Mann eine Handvoll heraus und gab sie der Frau. Die Frau hat davon nichts gegessen, sondern nur ihren Kindern gegeben. Das war damals mein Eindruck am ersten Tag des Mumbai-Aufenthaltes, schockierend für mich, der trotz DDR aus einer satten Welt kam.
    Schreibt viel weiter, ich nehme alles “gierig” auf, was Indien betrifft.
    Alles Gute für Euch und noch viele interessante Eindrücke.
    Paßt auf Euch auf, was die Gesundheit betrifft.
    Alles Gute Michael

    • Comment by Caro

      Caro Reply 8. Oktober 2015 at 16:46

      Hallo Michael,
      ja, dass stimmt. In Mumbai wird der Unterschied zwischen arm und reich sehr deutlich.
      Wir passen auf uns auf und schreiben auch fleißig weiter. 🙂

      Liebe Grüße
      Caro

  2. Comment by Marco

    Marco Reply 6. Oktober 2015 at 12:44

    Vielen Dank Caro für die ausführliche Antwort. Das hilft uns schon mal weiter wenn wir irgendwann nächstes Jahr unsere Indien-Reise planen. Leider nicht..es sind noch genau 114 ätzend lange Tage. Am 29 Januar geht’s los und seit dem wir alles fix gemacht haben, werden die Tage immer Länger. Aber was verzähl ich euch. Ihr habt das Gleiche ja bestimmt auch durch gemacht 😉

    Liebe Grüße
    Marco

  3. Comment by Marco

    Marco Reply 6. Oktober 2015 at 9:01

    Toller Bericht über eine Stadt mit zwei Gesichtern! Der Abschnitt über den kleinen Jungen hat mich richtig mitgerissen und berührt. Ist Mumbai auf Grund der indischen High-Society im Vergleich zu anderen indischen Städten teurer? Eure Fotos sind mal wieder richtig schön geworden:

    • Comment by Caro

      Caro Reply 6. Oktober 2015 at 11:06

      Hallo Marco,
      vielen Dank für deine Nachricht und es freut mich, dass dir und Sara die Bilder immer so gut gefallen. Danke. 🙂 Für die Unterkunft haben wir im Vergleich zu anderen Städten mehr bezahlt. Dafür weniger für Taxis, weil die Fahrer dort ein Taxameter haben. Wasser kostet in ganz Indien immer 20 Rupie pro Liter (= 27 Cent). Der Spielraum beim Essen ist in Mumbai größer, je nachdem ob man zum Beispiel ein Sandwich an der Straße ist oder in einem der besseren Restaurants. Hier findet sich eigentlich für jeden Geldbeutel etwas.
      Seid ihr eigentlich auch schon unterwegs?

      Viele Grüße
      Caro

      • Comment by Marco

        Marco Reply 6. Oktober 2015 at 12:53

        Vielen Dank Caro für die ausführliche Antwort. Das hilft uns schon mal weiter wenn wir irgendwann nächstes Jahr unsere Indien-Reise planen. Leider nicht..es sind noch genau 114 ätzend lange Tage. Am 29 Januar geht’s los und seit dem wir alles fix gemacht haben, werden die Tage immer Länger. Aber was verzähl ich euch. Ihr habt das Gleiche ja bestimmt auch durch gemacht ? Sorry, für den Doppelpost, kannst den anderen natürlich gerne löschen! 😉

        Liebe Grüße
        Marco

        • Comment by Caro

          Caro Reply 8. Oktober 2015 at 14:27

          … jetzt sind es “nur” noch 112 Tage. 😉 Oh ja, wir haben auch die Tage gezählt. Aber grad die letzten 30 Tage gingen bei uns super schnell rum. Bei euch ist das sicher auch so – bei dem ganzen Trubel um Weihnachten und Silvester rennt die Zeit! 🙂
          Ich dachte irgendwie immer, dass ihr schon unterwegs seid, weil ihr schon über Thailand berichtet habt.. 😉

          Liebe Grüße
          Caro

          • Comment by Marco

            Marco 8. Oktober 2015 at 16:32

            Ja das stimmt und der Auszug kommt auch noch. Irgendwie wird die Zeit schon rum gehen 🙂 Ne, wir waren aber letztes Jahr schon über Weihnachten und Silvester für 4 Wochen in Thailand. Deshalb haben wir da noch einiges in der Hinterhand worüber wir schreiben können bis es endlich los geht! 😉

            Liebe Grüße Marco

          • Comment by Caro

            Caro 8. Oktober 2015 at 17:01

            Ach cool, dann gibt es ja jetzt auch schon für uns spannendes zu lesen. Sonntag fliegen wir nach Thailand! 🙂

            Liebe Grüße
            Caro

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