Leben 2.0 – Ich mache mir die Welt wie sie mir gefällt

18. August 2016

Ein Jahr sind wir nun auf Weltreise. In der Zeit habe ich mir viele Gedanken gemacht. Über das Leben, über Freundschaften, über Familie, über die Liebe und über Konsum. Ich habe mir ein Jahr Zeit genommen, alles zu hinterfragen. ALLES. Ich gehöre zur Generation Y (Why?), da gehört das Hinterfragen laut Experten auch dazu. Aber was kommt dabei raus, wenn man ein ganzes Jahr alles hinterfragt? Wo fängt man eigentlich am besten an, wenn man sein Leben hinterfragen möchte und auf der Suche nach Veränderung ist?

Meine Veränderung zum Leben 2.0 fing eigentlich schon vor der Weltreise an, nämlich noch im Studium, kurz vor meinem Bachelor. Ich hatte das Glück, mir ein Thema frei aussuchen zu können und so habe ich mir Gedanken über Werte, Gelassenheit und Selbstvertrauen gemacht – alles hängt miteinander zusammen. Ich dachte mir, wenn ich jetzt schon mal 3 Monte Zeit habe und mich frei mit einem Thema beschäftigen kann, dann soll es mir auch noch zusätzlich etwas bringen und mich nicht nur fachlich prüfen und mir einen Abschluss bescheren. (Durch dieses ambitionierte Ziel habe ich mir zwar meine Abschlussarbeit nicht einfacher gemacht, dafür hat sie mich nachhaltig geprägt.)

Sich mit seinen Werten zu beschäftigen halte ich für sehr, sehr wichtig. Werte sind quasi die Basis für alles Weitere. Hast du dich schon einmal intensiv mit deinen Werten beschäftig? Hast du schon einmal aufgeschrieben was dir im Leben wirklich wichtig ist?

Willst du lieber frei sein oder abgesichert leben?

Freiheit oder Sicherheit? Beides gleichzeitig wäre natürlich schön, aber die Realität lehrt uns, dass es das nicht gibt. Wenn du dich jetzt einmal mit deinen Werten beschäftigen möchtest, dann empfehle ich dir den Wertekreis von dem Psychologen Shalom Schwartz. Nach Schwartz ähneln sich die Wertegruppen die nebeneinander liegen sehr, die Werte die jedoch im Kreis gegenüber liegen konkurrieren sich. Meine Werte liegen in der nachfolgenden Grafik eher in der linken Hälfte des Kreises. Wo liegen deine?

Do more of what makes you happy. Oder: Don’t do what makes you unhappy.

“Do more of what makes you happy” ist schon seit einigen Jahren mein Leitspruch. Aber was macht überhaupt glücklich? Es ist gar nicht so schwer und du ahnst es sicher schon. Es werden dich die Dinge glücklich machen die dir wichtig sind, also die, die dir etwas Wert sind, dir etwas bedeuten. Siehst du jetzt wie wichtig es für das Glück ist, dass du dich einmal mit deinen Werten beschäftigst? Und dann ist es eigentlich ganz einfach mit dem Glück! Beschäftige dich mit den Dingen die dir wichtig sind! Jedem Menschen sind andere Dinge wichtig und so gibt es auch kein allgemeines Rezept für das Glück. 

Wenn dir zum Beispiel Umweltschutz wichtig ist, dann kauf keine Produkte mehr mit Palmöl. Ich war auf Borneo. Ich habe gesehen wie der Urwald neuen Palmölplantagen weicht, weil die Nachfrage nach diesem Rohstoff immer größer wird. Ich habe die Menschen gesehen, die nun keine andere Wahl haben als für große Konzerne Palmöl abzubauen, weil mit dem Urwald auch ihre Lebensgrundlage zerstört wurde. Ich kaufe kein Nutella mehr – da ist Palmöl enthalten. In jedem zweiten Produkt im Supermarkt ist Palmöl. Ich möchte nicht die Lebensgrundlage der Menschen und der Tiere zerstören. Ich habe auch schon vor der Weltreise auf Palmöl in Produkten geachtet, aber ich bin manchmal wieder schwach geworden. Wenn mir persönlich Naturschutz wichtig ist, dann kann ich keine Produkte mehr mit Palmöl kaufen. Ich würde sonst gegen meine Werte leben. Mal ganz davon abgesehen, tun Produkte mit Palmöl dem Körper sowieso nicht gut. Die Produkte die Palmöl enthalten sind meist hochverarbeitet und enthalten so gut wie gar keine Nährstoffe mehr.

Leben 2.0 heißt für mich nach meinen Werten zu leben.

Ich möchte für meine Arbeit fair bezahlt werden. Wer möchte das nicht? Wenn ich meine Werte leben will, bedeutet das im Umkehrschluss aber auch, dass ich selbst fair bezahlen sollte. Ich kann nicht bei H&M & Co. einkaufen und Billiglöhne unterstützen und auf der anderen Seite eine faire Bezahlung für mich selber einfordern. Das Thema lag mir auch vor der Weltreise am Herzen und ich habe einige Teile meines Kleiderschrankes von Armedangels oder anderen fairen Modemarken gekauft. Der Anteil ist jedoch ausbaufähig.

Wenn mich gutes Essen und Kleidung glücklich machen, dann sollten andere damit nicht unglücklich werden, oder?

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Amritsar, Indien | August 2015

Wofür möchte ich mein Geld ausgeben?

Jeder der Geld ausgibt, gibt auch gleichzeitig eine Stimme ab.

Will ich lieber Schokoladen-Produzenten unterstützen die die Schokolade nachhaltig und fair produzieren oder will ich lieber die günstigste Schokolade im Supermarkt kaufen?

Muss ich überhaupt etwas kaufen oder reichen meine Klamotten in meinem Schrank nicht noch eine Weile?

Ich bin der Meinung, wenn ich glücklich sein will, dann sollte ich auch hinterfragen wofür ich mein Geld ausgeben möchte. Ich persönlich möchte mein Geld für gutes Essen, faire Kleidung, und Reisen ausgeben. 

Ich habe mich nicht verändert

Nur weil ich jetzt ein Jahr lang alles hinterfragt habe und um die Welt gereist bin, bin ich kein neuer Mensch. Die Weltreise hat mich nicht verändert, aber sie hat meine Sinne für bestimmte Dinge noch weiter geschärft. Ich habe immer noch vor den selben Dingen Angst wie vorher, wenn auch nicht mehr ganz so schlimm und ich bekomme die Angst nun besser in den Griff.

Auch wenn ich mich selber nicht verändert habe, möchte ich nach der Reise viele Dinge besser machen. Mir ist bewusst das man nicht alles richtig machen kann und ein ethisch korrektes Leben zu 100% nicht möglich ist. Ich bin in meinem Job zum Beispiel von Technik abhängig, und die Produktion von Technik ist alles andere als fair. Wie gehts nun also weiter?

Chiang Mai, Thailand | Februar 2016

Chiang Mai, Thailand | Februar 2016

So sieht mein Leben 2.0 aus

Ich habe mir zwei Bereiche aus meinem Leben herausgesucht und diese will ich so gut ich es eben kann verbessern. 

1. Ernährung und Kosmetik

  • Ich werde nach wie vor bio und lokal einkaufen, so gut es eben geht.
  • Ich werde auch weiterhin nur Naturkosmetik verwenden bzw. mit Codecheck überprüfen was drin ist. Auch Naturkosmetik kann zum Beispiel Palmöl enthalten.
  • Ich werden noch aufmerksamer die Inhaltsliste von Produkten lesen und keine Produkte mit Palmöl kaufen. Ich bin schon jetzt gespannt wie gut das klappen wird und ob es für jedes Produkt eine Alternative gibt.

2. Kleidung

  • Meine Kleidung, die im Moment bei meinen Eltern eingelagert ist, besteht zu 5% aus fairem Handel. Wenn ich etwas Neues brauche, dann werde ich ein Kleidungsstück kaufen, dass fair produziert wurde. Zum Glück gibt es immer mehr Marken die schöne aber faire Mode produzieren – man sieht der Kleidung nicht an das sie „öko“ ist. Besonders gerne mag ich die Kleidung von Armedangels und die Jeans die zu Hause auf mich wartet ist von Kuyichi.
  • Kleidung die noch nicht verschlissen ist werde ich natürlich auch noch weiterhin tragen.
  • Ich werde mir im Laufe der Zeit einen „Capsule Wardrobe“ aufbauen. Bei einem Capsule Wardrobe geht es darum, nur knapp 40 Kleidungsstücke im Kleiderschrank zu haben, Schuhe und Jacken mit eingerechnet. Es geht darum hochwertige Kleidungsstücke zu kaufen, die lange halten und farblich alle untereinander kombinierbar sind. Dieses Konzept habe ich auch schon für die Kleidung in meinem Backpack angewandt. In Deutschland werde ich vermutlich aber etwas mehr Kleidung benötigen, da in der Heimat die Temperaturen mehr schwanken als auf dieser Reise. Aktuell ist mein Reise-Kleiderschrank nicht besonders groß und ich genieße es wirklich, nicht so viel Kram zu haben und nicht ewig überlegen zu müssen was ich anziehe. Das was ich dabei habe, ziehe ich auch wirklich gerne an. Aktuell habe ich 25 Teile im Rucksack dabei (ohne Unterwäsche und Socken), davon habe ich aber nur 18 Teile regelmäßig im Gebrauch. (Einen Bikini und lange Sachen brauche ich nur sehr selten.)

Während der Reise ist es sehr schwer faire Kleidung zu bekommen, zum Glück musste ich nicht viel unterwegs nachkaufen. Bio-Lebensmittel und Naturkosmetik habe ich hingegen in fast jedem Land gefunden.

Canggu, Indonesien | Dezember 2015

Canggu, Indonesien | Dezember 2015

Don’t do what makes you unhappy!

Das waren sie, meine Erkenntnisse und Vorsätze für mein Leben 2.0. Ich bin mir sicher, dass ich in Zukunft noch viel mehr kleine Dinge verändern werde, aber alles nach der Reihe. Das ist übrigens auch ein Punkt den ich auf der Reise gelernt habe und Christoph kann meinen Satz „Eins nach dem anderen“ sicher nicht mehr hören. 😉 Ich merke richtig wie ich ruhiger werde und nicht mehr alles so nah an mich ran lasse. Ich fühle mich nach diesem Jahr innerlich viel aufgeräumter und habe mehr Kraft Versuchungen zu widerstehen.

Ich fühle mich auf mein Leben 2.0 nun gut vorbereitet und bin gespannt, wie mich das reale Leben in Deutschland bei meinen Vorsätzen prüfen wird.

Wie sieht es bei dir aus? Hast du auch Punkte in deinen Leben die du verbessern möchtest? Lebst du nach deinen Werten?

Ich freue mich von dir zu hören!

Alles Liebe
Caro

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4 comments

  1. Comment by bollebendlin

    bollebendlin Reply 21. August 2016 at 22:09

    Einen schönen Artikel hast du da wieder geschrieben liebe Caro <3

    Ich habe auch gemerkt, dass ich mich auf unserer Weltreise verändert habe. Man sieht Dinge wirklich mit anderen Augen. Man hinterfragt wirklich Dinge, die einem im "normalen" Leben irgendwie nicht interessiert haben oder Dinge, die an einem vorbei gerauscht sind. Man geht viel aufmerksamer durch's Leben, man erweitert ständig seinen Horizont. Und dass man nun nicht von heute auf morgen die ganze Welt verändern und verbessern kann, dass ist ja mehr als logisch. Aber wie sagt man: Kleinvieh macht auch Mist. Schritt für Schritt ins neue Leben 2.0. 🙂 Schakkkaaaaa <3

    • Comment by Caro

      Caro Reply 21. August 2016 at 22:34

      Danke liebe Bolle. 🙂 Ich bin so dankbar für diese Auszeit und die neuen Erfahrungen. Und ja, jetzt wo man einmal diesen “klaren Blick” hat, kann man auch nicht mehr wegschauen…
      Schakkkaaaaaaaa – Leben 2.0. 😀

  2. Comment by Robert

    Robert Reply 18. August 2016 at 8:21

    Hi Caro, zuerst mal Gratulation zu Eurer “perfekten” fast fertgen Weltreise. Es war ein Vergnügen Dir und Christoph auf Facebook zu folgen. Besonders bewundernswert und beneidenswert ist die Eloquenz, Strategie und Ehrlichkeit wie ihr die Sache durgeführt habt, so richtig deutsch halt! Ich hab in Panjim etwas gezweifelt ob ihr das durchhaltet mit dem vielen Fotografieren; Schreiben und Berechnen aber Hut ab es wurde eine brilliante Dokumentation einer Weltreise wie ich sie noch nie gesehen habe, einfach beneidenswert. Übrigens Ein Wiener hat mal eine Diplomarbeit geschreiben über Weltreisende, ich werde Sie Euch zukommen lassen.

    Deinen obigen Komentar/Artikel “Leben 2.0” Caro verstehe ich “inhaltlich” nicht ganz und deshalb schreibe ich Dir. Das soll bitte keine Kritik sein. Du sollst bitte Dein Leben 2.0 so gestalten wie Du möchtest aber ich gebe zu bedenken das der Vorsatz Bio-Fair-Öko-Regio-Vegan-childfree Lebensmittel bzw. Kleidung zu kaufen recht “trivial” ist. Dieser Vorsatz könnte auch von einem 9-Jährigen Mädchen stammen welches in Erdkunde einen Aufsatz über Fabriksarbeiter in Asien gemacht hat.

    Ich hätte da eine Frage: Warum möchtest Du Deine Kleidung wegwerfen? Warum nicht Dein MacBook? Welches genauso fragwürdig hergestellt wird wie ein Bikini von H&M? Wenn Du dann daheim bist hättest Du gerne das indische Mandelöl oder das japanische Wasabi welches Du auf Deiner Reise gesehen oder verwendet hast…oups das darf man schon weil in Hamburg kommt eh alles mit dem Öko-Containerschiff.

    Ich gebe nur zu Bedenken dass man bei – meineserachtens einseitigen – Vorsätzen gerne etwas heuchlerisch wird und nur das sieht was man sehen will.

    Also ich weiss nicht wann ihr genau zurückkommt aber wie ich Euch schon in Panjim erzählt habe gibts Jährlich in der ersten Septemberwoche die “Visa” in Perpignan, wo 10.000 Photojurnalisten der ganzen Welt zusammenkommen, sozusagen Permanent-Weltreisende. Da bekommt man noch ein vollständigeres Bild der Welt aus verschiedenen Blickwinkeln. Für Euch Absolut zu Empfehlen!

    Und speziell für Dich Caro Das berühmte Rosling Waschmaschinen TED Video:

    https://youtu.be/6sqnptxlCcw

    Übrigens: Sandra hat noch immer den Helloworldtrip Sticker am Handy!

    Grüsse aus SalzburgRobert

    • Comment by Caro

      Caro Reply 18. August 2016 at 14:15

      Hallo Robert,

      schön von dir zu hören und wir freuen uns sehr, dass ihr uns schon so lange auf unserer Reise folgt. 🙂

      Danke auch für deine Gedanken zu diesem Artikel. Tatsächlich kann es sein, dass ich naive Träume wie ein 9 jähriges Mädchen habe. Mein Traum ein Stück weit die Welt zu verbessern und Menschen ebenfalls damit “anzustecken” kann scheitern. Klar. Aber er ist eine Vision. Ich denke, dass wenn man nur ein klares Bild von dem Menschen im Kopf hat, der man morgen sein will, dann kann man wirklich etwas verändern. Vor 4 Jahren hatte ich zum Beispiel den Traum 2015 auf Weltreise zu gehen. Und jetzt reise ich schon seit 12 Monaten und habe mein Traum wahr gemacht! Ich habe in der Vergangenheit gelernt, dass es funktioniert und das man Dinge, die man sich ganz fest vornimmt erreichen kann.

      Meinen bestehenden Kleiderschrank will ich gar nicht wegschmeißen, habe ich ja geschrieben. Und ich habe auch geschrieben, dass Technik im Moment alles andere als fair produziert wird. Letzte Woche gab es dazu eine tolle Kampagne, google mal “phonest”. Ich habe die Hoffnung, dass sich auch in diesem Bereich noch einiges tun wird. Im Bereich der Mode hat sich in den letzten Jahren zum Glück viel geändert. Ich freue mich immer wieder, dass die Menschen inzwischen bewusster über ihren Konsum nachdenken und faire Marken annehmen und auch kaufen. Ich bin gestern auf ein Haufen Modeblogger gestoßen, die alle über faire Mode schreiben und sicher auch den einen oder anderen damit erreichen.

      Was mein MacBook angeht hast du völlig recht. Ich weiß, dass es nicht fair hergestellt wird. Aber ich benutze es trotzdem und ich würde es auch wieder kaufen. Warum? Ich glaube, dass ich mit meiner Vision im Hinterkopf eines Tages, zusammen mit meine MacBook, etwas Neues entwickeln werde, das zur Verbesserung der Welt beiträgt. Ich bin auch jetzt schon dankbar, dass ich den Artikel mit meinem Mac und dem Internet schreiben konnte und so ein paar Menschen mit meiner Vision erreicht habe.

      Ich glaube an meine Vision. Und mein “neues” Handeln wird Auswirkungen haben. In welchen Ausmaß kann ich mir im Moment noch nicht vorstellen, aber es wird sich für mich definitiv etwas ändern. Jede Handlung ändert etwas und wir haben es in der Hand zu entscheiden welche Art von Firmen wir damit unterstützen möchten.

      Liebe Grüße nach Salzburg
      Caro

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