Vom Mt. Bromo zu den starken Männern des Kawah Ijen

18. Januar 2016

Mt. Bromo

Mit dem Zug machen wir uns auf nach Malang, einer Stadt in der Nähe des wohl bekanntesten Vulkans Indonesiens, dem Mount Bromo. Die Bilder und Videos die wir uns im Vorfeld anschauen versprechen eine atemberaubende Mondlandschaft, wie sie so wohl einzigartig auf dieser Welt ist. Doch leider wird unsere Vorfreude durch die regionalen Nachrichten etwas gebremst. Es scheint, als wenn der Bromo gerade wieder aktiv wird und Geröll spuckt. Was? Jetzt? Das kann doch nicht wahr sein – wir sind einmal in Indonesien und dann das. 🙁 Keiner weiß jedoch so richtig was wirklich passiert, also entscheiden wir uns die Sache vor Ort selbst anzusehen.

In Malang angekommen, bestätigen sich dann die Nachrichten. Mt. Bromo ist für Touristen geschlossen. Nach fünf Jahren Ruhe ist der Vulkan nun wieder aktiv und spuckt Asche und Geröll. Wir verstehen, dass es zu gefährlich ist den Vulkan in dieser Situation zu besteigen und planen direkt einen anderen Vulkan zu besichtigen – den Kawah Ijen.

Die starken Männer vom Kawah Ijen

Heute wird so ein Tag, an den wir uns ein Leben lang erinnern werden.

0:00 Uhr irgendwo am Fuße des Kawah Ijen. Unser Minibus holt uns ab und wir machen uns auf den Weg um etwas Unglaubliches zu erleben. Die Fahrt zum Ausgangspunkt unsers Vulkan-Aufstiegs hätte so auch in jedem Psychothriller stattfinden können. Unser Minivan quält sich pausenlos diese dunkle, steile, kurvige Straße mitten durch den Wald hinauf. Die Kupplung fängt an zu stinken und ich hoffe, dass wir es schaffen und nicht hier irgendwo aussteigen müssen. Weit und breit ist kein anders Fahrzeug zu sehen, bis auf ein paar Mopeds die uns überholen. „Miner, Miner“, sagt unser Fahrer. Der erste Kontakt zu den Männern die wir später noch näher kennen lernen werden.

Gewitter am IjenGegen 01:00 Uhr erreichen wir einen Parkplatz. Dick angezogen treffen wir auf unseren Guide Harry, der uns heute hoffentlich heil auf den Vulkan und wieder hinunter bringt. Noch total müde machen wir uns auf, hinauf zum Kraterrand. Um uns herum nur die schwarze Nacht. Unsere kleine Kopflampe leuchtet uns den Weg. Langsam bahnen wir uns den steilen Weg hinauf. Umso höher wir steigen, umso schwerer fällt uns das atmen. Dann plötzlich riechen wir es, Schwefel. Harry stoppt und sagt „Now time for gas mask“. Er öffnet seinen Rucksack und wir bekommen alle eine Gasmaske. Harry nutzt keine. Mit der Maske fällt das Atmen noch schwerer und ich fühle mich, nicht nur aufgrund der Geräusche die ich produziere, wie Darth Vader. Der Schwefel ist es, der hier im Kraterschlund des Ijen-Vulkans abgebaut wird. Er ist es der die starken Männer und ihre Familien ernährt, gleichzeitig jedoch krank macht und tötet.

GasmaskeDann sind wir angekommen, am Kraterrand des Ijen. Es ist immer noch schwarze Nacht und nun steht uns noch der gefährliche und steile Weg direkt in den Krater bevor. Das Adrenalin in uns steigt. Langsam und behutsam steigen wir den steinigen, ungesicherten Weg hinab in den Krater. An manchen Stellen ist es so gefährlich steil, dass Harry uns die Hand hält sodass wir nicht fallen. Plötzlich ruft Harry „Miner, Miner“ und da kommen sie uns auch schon entgegen. Auf den Schultern eine Bambusstange, an den Enden zwei Körbe, gefüllt mit Schwefel-Brocken. Wir staunen, sind überwältigt und schockiert zugleich.

Harry ruft wieder „Blue fire – can you see it?“ Tatsächlich, tief unten im Kraterschlund sehen wir aus der Ferne das blaue Feuer flackern. Der Schwefeldampf, der mit Luft in Verbindung kommt, entzündet sich und bildet dieses einzigartige blaue Feuer, was nur nachts zu sehen ist.

Im Krater angekommen fällt das Atmen immer schwerer. Als der Wind sich dreht und wir mitten in einer Gaswolke stehen, ist es vorbei mit atmen. Wir können nur noch husten und hoffen, dass sich die Wolke gleich wieder verzieht. Die Augen brennen und es tut höllisch weh. Nach diesem Schockmoment bahnen wir uns den Weg immer näher zum “Blue Fire” und genießen dieses Naturschauspiel.

Blue FireDie Nacht verabschiedet sich langsam und es wird hell. Nun wird uns klar in welcher unwirklicher Landschaft wir hier eigentlich stehen. Mitten in dieser gelb, grau, grünlichen Landschaft schießen gewaltige Gaswolken in die Luft. Diese Gase werden durch ein ausgeklügeltes Rohrsystem eingefangen. Am Ende dieser Rohre tritt eine orangefarbige Flüssigkeit aus, die, wenn sie erstarrt ist, sich in goldgelben Schwefel verwandelt. Dieser Schwefel wird dann von den starken Männern mit Eisenstangen abgebaut. Um sich vor den giftigen Dämpfen zu schützen nutzen die Männer nasse Tücher, die sie sich in den Mund stecken. Harry, der sechs Jahre hier als Miner gearbeitet hat, zeigt uns seine Schultern. Mehrere Knochenbrüche aufgrund der schweren Schwefelkörbe haben dazu geführt, dass sich auf beiden Schulterseiten tiefe Kuhlen befinden – unglaublich.

Der Hauptabnehmer des abgebauten Schwefel ist eine nahegelegne Zuckerfabrik, die den Schwefel zum weißen des Zuckers nutzt. Allein das ist schon schlimm genug. Wenn man dann aber noch erfährt, dass Schwefel eigentlich ein billiges Abfallprodukt aus der Öl- und Gasindustrie ist, diese Männer den Schwefel jedoch noch günstiger abbauen, fehlen einem alle Worte.

Nachdem wir noch einen Blick auf das größte Säurefass der Welt, den Kratersee, geworfen haben, machen wir uns gemeinsam mit den starken Männern und ihren voll gepackten Körben wieder auf den Weg zurück. Der steile Weg hinauf zum Kraterrand ist für uns ohne Gepäck schon anstrengend. Kaum zu glauben, wie schwer es für diese Männer sein muss.

Nach weiteren zwei Stunden kommen wir völlig erschöpft und müde an unserem Ausgangspunkt wieder an. Wir lassen uns in die Sitze unseres Minivans fallen und versuchen das soeben erlebte gemeinsam zu verarbeiten.

Dies ist ein Tag an den wir uns unser Leben lang erinnern werden.

Nützliche Links für deinen Besuch am Bromo und Ijen:

  • Unsere Unterkunft in Malang (Bromo): Kampong Tourist
  • Unsere Unterkunft in Banyuwangi (Ijen): Panorama Homestay*
  • Unsere Tour zum Ijen haben wir direkt im Homestay gebucht, wir können diese Tour nur empfehlen

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